Vergaser Vespa 150 GS

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Allgemeine Informationen[Bearbeiten]

Der an der Vespa 150 GS montierte Dell'Orto UB 23 S3, ein Rundschiebervergaser mit Düsennadel, ist ein typischer Vertreter der UB-Vergaserbaureihe, die mit verschiedenen Nennweiten an vielen italienischen Motorrädern und Rollern der 50er- und 60er-Jahre Verwendung fand. Daher sind Vergaserverschleißteile recht gut zu bekommen. Neben den auf italienische Oldiemotorräder spezialisierten Händlern sind insbesondere die italienischen Teilemärkte eine ideale Adresse um sich einzudecken.

Eine Ausnahme sind folgende ausschließlich an der Vespa 150 GS verwendeten Bauteile, die bei der Beschaffung Schwierigkeiten bereiten können:

  • Das Vergasergehäuse mit 23mm Nennweite wurde speziell für die GS aufgelegt, gut erhaltene Gehäuse sind selten und daher entsprechend teuer. Alternativ bietet sich aus der UB-Baureihe der auch nicht eben häufige UB24 mit rechts angeordneter Gemischeinstellschraube an. Er kann rel. problemlos mit der Bestückung des UB23 verwendet werden.
  • Die Schwimmerkammer mit dem untenliegenden Anschluß wurde ebenfalls exklusiv für die GS gefertigt, ebenso
  • die Schwimmernadel, ein Verschleißteil, und
  • das Schwimmernadelventil, das sehr haltbar ist.

Die Hauptdüsen mit Gewinde M5 sind baugleich mit denen der SHB-Vergaser in den Vespa Smallframe-Modellen.

Wegen des liegend eingebauten Vergasergehäuses sickert trotz Schließen des Benzinhahns nach dem Abstellen des Motors immer etwas Benzin in den Ansaugkanal und erleichtert dort am nächsten Morgen den Kaltstart, leider wird dafür der Warmstart oft durch spontanes Absaufen erschwert. Dagegen hilft ein beim Anwerfen des warmen Motors großzügig geöffneter Gasschieber.

Durch Dampfblasenbildung verweigert der Motor bisweilen direkt nach dem Heißstart die Gasannahme. Mehrmaliges Gasgeben bei gleichzeitigem Ziehen der Luftklappe (Choke) schafft sofortige Abhilfe.

Serienmäßige Vergaserbestückung Vespa 150 GS[Bearbeiten]

HD = Hauptdüse; LD = Leerlaufdüse; ND = Nadeldüse; DS = Düsennadel

  • Motoren VS1M 1001 bis VS4M 0045975:
    • Vergaserbezeichnung: UB23 S3*
    • HD: 103
    • LD: 50**
    • ND: 260
    • DS: E21 auf 3. Kerbe von oben
  • Motoren VS4M 0045976 bis VS5M 0069272:
    • Vergaserbezeichnung: UB23 S3 A*
    • HD: 103
    • LD: 40**
    • ND: 260
    • DS: E21 auf 3. Kerbe von oben
    • Die Schwimmerkammer hat eine Reduzierhülse in der Bohrung zur Hauptdüse und ist mit "A" gekennzeichnet
  • Motoren ab VS5M 0069273, Zylinderkopf mit auslaßseitiger Quetschfläche und ZZP 27°:
    • Vergaserbezeichnung: UB23 S3 I*
    • HD: 105
    • LD: 45**
    • ND: 260
    • DS: E21 auf 2. Kerbe von oben
    • Die Schwimmerkammer hat eine Reduzierhülse in der Bohrung zur Hauptdüse, ist aber ohne besondere Kennzeichnung

(*) Die Vergaserbezeichnung betrifft nur die geänderte Schwimmerkammer und Bestückung, die Vergasergehäuse sind baugleich.

(**) Piaggio-Händleranweisungen empfehlen den Umbau auf LD 45 und die neue Schwimmerkammer für alle GS150-Baureihen.


Wartung und Instandsetzung[Bearbeiten]

Vergaserbauteile im Überblick[Bearbeiten]

UB23.jpg

Vorbemerkung[Bearbeiten]

Bevor man am Vergaser zu arbeiten beginnt sollte man sich vergegenwärtigen, das Vergaser langsam verschleißen und ausser bei massiver Verschmutzung oder Bruch der Gasschieberfeder selten plötzliche Störungen aufweisen. Spontan auftretende Motorstörungen oder Leistungsmangel werden in den meisten Fällen durch Defekte an der Zündanlage und deren Peripherie oder durch Undichtigkeiten verursacht. Aufgrund der oft stark verschmutzen Kraftstoffe in den 50er-Jahren besitzt die GS150 ein sehr effizientes 3-stufgies Benzinfiltersystem (Absetzglas unter dem Benzinhahn, Filtersieb (20) an der Schwimmerkammer und Schwimmerkammer selbst als 2. Absetzgefäß). Daher kommen sogar bei angerosteten Tanks verstopfte Kraftstoffdüsen (10, 12) selten vor. Probleme treten i.d.R. nur bei jahrelangen Standzeiten, unsachgemäßer Lagerung oder durch beim Öffnen des Vergasers eingedrungenen Schmutz auf.

Penible Sauberkeit ist bei Arbeiten am Vergaser unerläßlich!

Fast alle Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten am UB23 lassen sich bei eingebautem Vergaser durchführen. Da der Vergaser oft sehr fest auf dem Ansaugstutzen sitzt und die Gefahr besteht, daß das empfindliche Vergasergehäuse leidet, sollte der Vergaser nur ausgebaut werden, wenn dies unbedingt erforderlich ist (z.B. Arbeiten am Zylinder und Zylinderkopf).

Luftfilter[Bearbeiten]

Laut Werksvorschrift soll der Luftfilter alle 2000 km gereinigt werden. Bei normalen Betriebsbedingungen auf überwiegend asphaltierten Strecken reicht eine Reinigung alle 5000 km oder jährlich aus. Der Luftfilter verfügt über einen gewissen Selbstreinigungsmechanismus, da ein Teil der Verschmutzungen über den Ölablaufschlauch des Luftfilterkastens ausgeschwemmt wird.

  • Demontage:
    • Faltenbalg vom Luftfilter abnehmen
    • Befestigung des Luftfilterkastens am Lüftergehäuse (SW10) und Klemmschelle am Vergaser lösen (Steckschlüssel/-nuss SW8, Schlitzschraubendreher nur im Notfall).
    • Luftfiltergehäuse vorsichtig nach oben abnehmen, dabei sorgfältg darauf achten, daß kein Schmutz in den Vergaser gelangt.
    • Die drei Schlitzschrauben entfernen und den Deckel des Luftfilterkasten abnehmen.
  • Reinigung:
    • Als Reinigungflüssigkeit setzt man eine kleine Menge aus zwei Teilen Benzin und einem Teil Zweitaktöl an. Bei guter Belüftung oder im Freien arbeiten und nach Möglichkeit Handschuhe tragen. Zuerst wäscht man das Drahtsieb in der Reinigungsflüssigkeitaus aus (Pinsel), danach das Innere des Luftfilterkastens.
    • Bei starker Verschmutzung bietet sich eine äußerliche Reinigung des Vergasers zu diesem Zeitpunkt an. Dazu die Ansaugöffnung des Vergasers mit einem sauberen Plastikbeutel und einem Gummiring verschließen.
  • Zusammenbau:
    • Bei Bedarf Sichtkontrolle von Gasschieber und Düsennadel durchführen.
    • Klemmschelle auf den Stutzen des Luftfilterkastens aufsetzen und eben so fest anziehen, daß die Klemmschelle beim Aufsetzen des Luftfilters nicht herunterrutschen kann.
    • Klemmschelle so ausrichten, daß sie bündig mit der Unterkante des Klemmstutzens am Luftfilterkasten abschliest.
    • Luftfilterkasten auf den Vergaser aufsetzen. Der Klemmstutzen des Luftfilterkastens darf nicht schräg auf dem Ansaugstutzen des Vergasers sitzen. Das der Klemmstutzen des Luftfilters sich nicht ganz bis zum Anschlag auf den Vergaser aufschieben lässt kann üblicherweise toleriert werden, in Extremfällen muss die Haltelasche des Luftfilterkastens vorsichtig nachgebogen werden.
    • Klemmschelle anziehen (4-6 Nm).
    • Danach Befestigungsmutter am Lüftergehäuse anziehen (4-6 Nm). Der Luftfilterkasten darf beim Anziehen nicht verspannt werden.
    • Faltenbalg von innen auswischen und am Stutzen des Luftfilterkastens befestigen.

Siehe auch:[Bearbeiten]