Corradino D'Ascanio

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Corradino D'Ascanio

Corradino D’Ascanio (* 1. Februar 1891 in Popoli; † 6. August 1981 in Pisa) war ein italienischer Ingenieur.

Er wurde 1933 von Firmengründer Rinaldo Piaggio engagiert, um an der Entwicklung von Hubschraubern und Militärflugzeugen mitzuwirken. Nach Ende des 2. Weltkriegs entwickelte er, nun unter der Leitung Enrico Piaggios, die Vespa.

Studium bis Eintritt bei Piaggio[Bearbeiten]

Schon als 15jähriger ist D’Ascanio fasziniert vom Fliegen und beobachtet den Flug der Vögel. Er verfasst eine Arbeit über den Einfluss des Verhältnisses von Gewicht und Flügelspannweite auf die Flugfähigkeiten der Vögel und baut einen Hanggleiter, mit dem er kurze Flüge von ein paar Dutzend Metern von einem Hügel herab absolviert.

Am Regio Istituto Superiore di Ingegneria, dem späteren Turiner Polytechnikum, studiert D'Ascanio Maschinenbau und schließt sein Studium 1914 als Ingenieur ab. Noch im selben Jahr tritt er als Freiwilliger der „Arma del Genio“, den Pionieren der italienischen Armee, bei. Im "Bataillon Aviatori" wird er dem Testen von Motoren zugeteilt.

Im Jahre 1916 beginnt er im technischen Büro der Flugzeugbaugesellschaft O. Pomilio zu arbeiten. Ein Jahr lang arbeitet er für Pomilio in den USA. Nach seiner Rückkehr nach Italien realisiert er zahlreiche technische Projekte für eine Firma in Popoli, von denen einige auch patentiert werden, wie z.B. einen elektrischen Backofen (1919), eine „Schnellfeuer-Einrichtung für Flugzeuge und ihre Anwendung bei Mörsern“ (1926) oder auch ein Zigarettenetui mit Zeitschloss.

1925 gründet er mit Baron Pietro Trojani ein Unternehmen und konstruiert mit diesem einen Hubschrauber. Ein Problem der Entwicklungsgeschichte des Hubschraubers bestand darin, das durch den Rotor erzeugte Drehmoment, das den Hubschrauber nahezu unkontrollierbar machte, unter Kontrolle zu bringen. Eine Lösung wird im Jahre 1930 erfolgreich von Corradino D'Ascanio gefunden, der einen Hubschrauber-Prototypen mit Koaxialrotor (zwei gegenläufig drehende Hauptrotoren, die übereinander in einer Drehachse angeordnet sind und einen besonders ruhigen Schwebeflug ermöglichen, weil sich die Momente der beiden Rotoren aufheben) namens DAT 3 für das Luftfahrtministerium realisiert, der mit Weltrekorden für Flughöhe (17,4 m), Flugdauer (8:45 min) und Flugdistanz (1.078 m) neue Maßstäbe für die damalige Zeit setzte.

Piaggio - vom Flugzeugbau zur Vespa[Bearbeiten]

Im Jahr 1932 wird Corradino D'Ascanio von Firmengründer Rinaldo Piaggio eingestellt und soll bei Piaggio-Aeronautica an der Entwicklung von Hubschraubern und Militärflugzeugen mitarbeiten. Er konstruiert während des Fluges verstellbare Propeller, erbaut einen europaweit berühmten Flugzeug-Prüfstand mit Windkanal und wirkt an der Produktion des viermotorigen Bombers P 108 mit. Als Symbol der italienischen Kriegsindustrie wird die Piaggio-Fabrik in Pontedera mehrmals bombardiert und die Fertigungshallen werden am Ende des 2. Weltkrieges von den Alliierten fast gänzlich zerstört. Die Zahlen veranschaulichen das Drama des Zusammenbruchs des italienischen Faschismus für die Bevölkerung: die Belegschaft des Unternehmens, die im Jahr 1943 noch 12.000 Arbeiter und Angestellte zählte, sank mit Ende des Krieges auf 60 Arbeiter und 30 Angestellte. Die besten Flugzeugingenieure Italiens wandten sich gezwungenermaßen am Nebenstandort Biella der Produktion von Töpfen und Bratpfannen zu. Enrico Piaggio sucht nach neuen Geschäftsideen und findet diese: "Ich möchte Italien auf zwei Räder stellen, aber ich will kein weiteres Motorrad."

Der damals 54jährige D'Ascanio, der bislang nur im Bereich des Flugzeugbaus und hier speziell für die Entwicklung von Hubschraubern zuständig war, wurde 1945 von Enrico Piaggio aufgefordert, einen Entwurf für einen Motorroller vorzulegen, der den Menschen die Mobilität wieder zurückgeben sollte, die durch die kriegszerstörte Infrastruktur verloren gegangen war. Die Grundidee für diesen Motorroller war der Prototyp Nr. 1 "Paperino", den Piaggios Techniker aus Metallresten, Schubkarren-Rädern und einem kleinen Zweitakt-Einzylindermotor, der zuvor Flugzeugen als Anlasseraggregat gedient hatte, zusammensetzten.

Mit motorisierten Zweirädern war D'Ascanio nur von Motorsport-Veranstaltungen her vertraut und hatte sich darüberhinaus nie näher mit ihnen befasst. "Ich erinnere mich, daß ich verschiedentlich bei Autofahrten beobachtet hatte, wie Motorradfahrer am Straßenrand bei einer Panne mühsam das Rad ausbauen und den Reifen von der Felge ziehen mussten. Mir lag daran, daß mit der Behebung einer Reifenpanne für den Rollerfahrer keine größeren Umstände verbunden sein sollten als für einen Autofahrer."

Diesen Gedanken setzte er mit seiner flugzeugtechnischen Erfahrung konstruktiv durch eine einseitige Radaufhängung, wie sie bereits im Flugzeugbau verwendet wurde, in eines der wesentlichen Merkmale der Vespa um. Hierdurch wurde ein schneller Wechsel der untereinander austauschbaren Vorder- und Hinterräder möglich, während beim herkömmlichen Motorrad eine Vorderradgabel und verschiedene Dimensionen für Vorder- und Hinterrad die Regel waren. Das Fahrgestell bestand nicht aus den bei sonstigen Zweirädern üblichen Rohrrahmen, sondern wie beim modernen Automobilbau aus einer selbsttragenden Stahlblechkarosserie, die sogar widerstandsfähiger als ein Rohrrahmen war. Das Beinschild schützte zumindest den unteren Teil des Fahrers vor Wind und Wetter und verhinderte ein Verschmutzen der Kleidung. Duch die neuartige Anordnung des Motors direkt am Hinterrad und ohne Sekundärantrieb erreichte D'Ascanio einen freien Durchstieg wie bei einem Damenfahrrad. Das erleichterte den Aufstieg gegenüber einem Motorrad ungemein, vor allem auch für den weiblichen Zielkreis. Ein breites Trittblech ermöglichte eine bequeme Sitzhaltung mit viel Raum für die Füße und den Raum für das Fußbremspedal. Alle anderen Bedienungselemente – Schaltung, Kupplung, Vorderradbremse und Lichtschalter – waren am Lenker angeordnet. Der vom oben erwähnten Anlasseraggregat abgeleitete Einzylindermotor mit einem Hubraum von 98 ccm entbehrte als Zweitakter eines komplizierten Schmiersystems um kam ohne Ölpumpe aus. Das Motorgehäuse war aus Aluminiumgußteilen vorgesehen.

Viele dieser von D'Ascanio entwickelten stilistischen und konstruktiven Merkmale zeichnen sämtliche Modellreihen der klassischen Vespa bis zur Einstellung der Produktion der PX-Reihe im Jahr 2008 aus. Noch im Herbst 1945 entstand dieser Prototyp Nr. 2 und ging von April 1946 bis Ende 1947 mit den Seriennummern V.98 *01 bis V.98 *18.079 in den Verkauf. Ihre schmale Taille und ihr an den Hinterleib einer Wespe erinnerndes Hinterteil mit den ausladenden Seitenbacken brachte der V.98 den Namen "Vespa" ein.

(...)

An seinem Lebensabend musste D'Ascanio mit Bedauern zur Kenntnis nehmen, daß er zwar als der Schöpfer der Vespa in die Geschichte einging, jedoch nur wenige daran erinnerten, daß er auch zu den Erfindern des Hubschraubers gehörte. Am 8. August 1981 verstarb Corradino D'Ascanio in Pisa im Alter von 90 Jahren.

Vor kurzem nahm das naturwissenschaftliche Gymnasium in Montesilvano (PE) seinen Namen an und feierte D’Ascanio mit zahlreichen Ausstellungen und Präsentationen.

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