Vespa PX 80/200 E Traveller

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Die Vespa Traveller ist eine normale PX Lusso mit elektronischer Zündung, welche 1985/86 als Sondermodell mit 80 oder 200 ccm für den deutschen Markt hergestellt wurde. Angeblich wurde sie auch nur ein halbes Jahr gebaut. Die Traveller zeichnet sich durch einen Rundumschutz an Sturzbügeln und Gepäckträgern hinten und vorne am Beinschild aus. Also Kotflügelbügel, Beinschildbügel, die mit dem vorderen Gepäckträger verschraubt sind, Backenbügel und eben einem breiten hinteren Gepäckträger. Diese Anbaueile waren ockerbraun, ebenso wie die Lenkkopfabdeckung und Reserveradabdeckung sowie Spritzschutz. Die Grundfarbe der Karosserieteile war gelb. Die Farbkombi nannte Piaggio damals Safari, so daß neben dem Begriff Traveller sich auch der Name Safari für dieses Sondermodell durchsetzte.


Farbcodes:

  • Pastellgelb 251
  • Safarigelb 260


Preise zeitgenössisch:

  • PX 80 E Traveller - 3.475,- DM
  • PX 80 E Traveller mit Zubehör - 3.775,- DM
  • PX 200 E Traveller - 4.195,- DM
  • PX 200 E Traveller (12 PS) - 4.245,- DM
  • PX 200 E Traveller mit Zubehör - 4.445,- DM
  • PX 200 E Traveller (12 PS) mit Zubehör - 4.495,- DM


Die entsprechende Seite aus dem Katalog von 1986 abfotografiert:

Vespa Traveller-Prospekt.jpg


Der folgende Artikel stammt aus der Zeitschrift MOTORRAD, Heft 25/1985, Seite 34:


Für den deutschen Markt legt Vespa eine Sonderserie auf. In Postgelb lackiert, bietet der Roller genügend Ablagen für das Eguipment eines Musikers. Der Vespa-Roller rollt und rollt. Im April 1986 werden es vierzig Jahre. Es gibt sicherlich niemanden, der der Erfindung des italienischen Flugzeugingenieurs Corradino d'Ascanio, der Vespa, ein so langes Leben vorauszusagen gewagt hätte. Aber mehr als acht Millionen Vespa-Fahrer können schließlich nicht irren - wie etwa auch Käfer-Fahrer nicht.


Auch die deutsche Niederlassung in Augsburg partizipiert an diesem Erfolg. Folgerichtig bietet sie in eigener Regie ab und zu ein Sondermodell an. Diesmal wählte sie aus der PX-Reihe, den Modellen mit der großen Karosse, das mit dem 200-ccm-Motor aus, um den Typ Lusso Traveller zu kreieren. Der Luxusreisende kommt in Knallgelb daher, garniert mit einigen Metern braunem Rohr.


Das muß in Form von Stoßstangen, Sturzbügeln und je einem voluminösen Gepäckträger vorn und hinten als Equipment für Sicherheit und Gepäck herhalten. Die für Vespa-Verhältnisse relativ großzügigen Ablageflächen sollen also die Globetrotter unter der Rollergemeinde animieren: Alle die, denen bisher die Vespa aus Ablagemangel nicht ins Kaufkalkül passte, und vielleicht die Snobs, denen ein poppiger Freizeitjeep schon nicht mehr genug ist.


Ob allerdings das martialisch rund um das Blechkleid gebogene Rohrgeflecht - mal als Sturzbügel ausgewiesen, mal als Stoßstange dienend - die Reiselustigen für den Traveller wirklich auf Trab bringt? Ein italienischer Entwicklungsingenieur von Piaggio, der den Traveller auf dem MOTORRAD-Parkplatz zum ersten Mal zu Gesicht bekam, zog immerhin amüsiert die Augenbrauen hoch. Im Ursprungsland der Vespa jedenfalls wird der Traveller nicht angeboten.


Hierzulande soll die Spezialversion rund ein halbes Jahr zum Preis von 4450 Mark angeboten werden. Im Betrieb mit mäßigem Gepäck auf dem vorderen und hinteren Ausleger stellt der Fahrer zunächst beruhigt fest, daß die Richtungsstabilität des Rollers trotz der nur zehn Zoll großen Räder erhalten bleibt. Auch die leichte Manövrierbarkeit im Stadtverkehr kann weiterhin überzeugen.


Lästig kann der Stangenwirrwarr beim Antreten werden. Zumal ein Spezialausleger für die Beine der Sozia jetzt auch noch in den Fußstauraum des Fahrers hineinragt. Beim Fahren zu zweit kann der unfreiwillige Fußkontakt nicht vermieden werden und ist für den Piloten ausgesprochen störend. Unser Exemplar war mit dem 12-PS-Motor ausgerüstet, der zwar versicherungstechnisch ungünstig die 10-PS-Marke überschreitet, aber gerade bei Beladung doch für mehr Kraftreserve sorgt. Der Achtlitertank und die jetzt separate Ölschmierung unter der Sitzbank können als weitere Pluspunkte für den Reisebetrieb gelten.


Nicht nur Zivilisten assoziieren bei der gelben Lackierung Postalisches. Auch die Post selbst hat zum Tag der Briefmarke Ende Oktober drei Vespa mit 80 ccm in ebendieser Farbe als Hauptgewinn eines Preisausschreibens annonciert - damit die Post abgeht.


Meßwerte

  • Beschleunigung: 0 - 100 km/h in 27,1 s
  • Höchstgeschwindigkeit: solo 100 km/h
  • Preis: 4445 DM