Vespa 160 GS (VSB1T, in D "GS/4"): Unterschied zwischen den Versionen

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Aktuelle Version vom 24. September 2022, 10:42 Uhr

Verkaufsprospekt Vespa Grand Sport 160 Quelle:Vespa GmbH Augsburg

1962 löste die Vespa 160 GS das bisherige Sportmodell Vespa 150 GS ab.
Während die seit 1955 gebaute 150 GS noch ein Wideframe-Modell war und mit der Vespa 125 VNA bereits seit 1957 die erste Largeframe-Vespa erschien,
floss die neue Bauform erst jetzt auch in die Sportmodell-Reihe ein:

  • der neu konstruierte Motor war der leistungsstärkste Serienmotor im Portfolio und die Motorschwinge war nun auch hier in den Gehäuseblock integriert.
  • Der Hubraum wurde gegenüber der 150 GS um knapp 13 ccm auf 158,53 ccm erhöht,
  • die Kurbelwelle wurde verstärkt und erhielt ein Rollenlager auf der Polradseite.
  • Alle wesentlichen Teile des Motors wurden ebenso verstärkt, der Schalldämpfer des Auspuffs wies eine Einbuchtung für das Hinterrad auf,
  • die Felgenbreite wuchs auf 2,45“.

Weiter waren Federung und Doppelsitzbank komfortabler als bei der 150 GS und unter der linken Backe wurde das Ersatzrad, der Gleichrichter und die Batterie untergebracht. Die neue Karosserie war schlanker und verlieh der 160 GS eine modernere, elegante Ausstrahlung, auch die Lüftungsschlitze der Motorbacke waren nun mit gleicher Länge und rhombenförmig versetzt neu gestaltet.
Am Kotflügel und Seitenbacken wurden Zierleisten angebracht (bei der deutschen GS/4 mit integrierten Hella-Blinkern).
Bis heute einzigartig war das Handschuhfach im Heck der Erstserie zwischen Sitzbank und Rücklicht.
Das besitzt bis heute keine andere Vespa und ist, obwohl nicht wirklich praktisch und geräumig(mehr als Bordwerkzeug ,1/4 Liter Öl und Kleinteile passt nicht hinein), für viele genau das einzigartige Detail, was den Charme dieses Modells ausmacht. Die minimale Größe des Faches ist vermutlich aber auch der Grund, warum es so viele Fahrzeuge gibt, die zusätzlich zum hinteren Fach ein Gepäckfach vorne am Beinschild nachgerüstet haben ↓
Ab der 2. Serie verschwand das kleine Fach im Heck wieder und es wurde stattdessen ein großes Gepäckfach vorne innen im Beinschild verbaut (wie es von nun an bei allen Sportmodellen bis zur PX verbaut wurde). Auch das vorher komplett runde Heck wurde modifiziert und ein kantiger Bereich für das Nummernschild in die Rahmenschalen eingepresst.
Zur deutschen 160 GS (GS/4) siehe Besonderheiten der deutschen GS/4 ↓


Baujahre und Rahmennummern Italien[Bearbeiten]

Baujahr Rahmennummern Stückzahl Typ
1962 VSB1T 0001001 - 0029970 28.970 Stück GS 160 - 1. Serie (MK I)
1963 VSB1T 0029971 - 0048250 18.280 Stück GS 160 - 2. Serie (MK II)
1964 VSB1T 0048251 - 0061000 12.750 Stück GS 160 - 2. Serie (MK II)
  Stückzahl Italien insgesamt: 60.000 Stück  

Baujahre und Rahmennummern Deutschland [1][Bearbeiten]

Die Augsburger Produktion endete im Oktober 1963

Baujahr Rahmennummern Stückzahl Typ
1962 VSB1T *500001 - *501955 1.955 Stück GS/4 (Typ 382) - 1. Serie (MK I)
1963 VSB1T *501956 - *502461 506 Stück GS/4 (Typ 382) - 2. Serie (MK II)
  Stückzahl Deutschland insgesamt: 2.461 Stück  


Farben italienisch[Bearbeiten]

Karosseriefarben
(cod.MaxMayer)
lackierte Teile Grundierung
(cod.MaxMayer)
- Grigio Biacca (Bleiweißgrau) 1.298.8714
letzte Modelle:
- Bianco Spino 1.1.298.1715
- Lüfterradabdeckung: Alluminio (Aluminium) 1.268.0983
- Abdeckung Reserverad: Alluminio (Aluminium) 1.268.0983
- Radnabe vorne: Alluminio (Aluminium) 1.268.0983
Nocciola (Nussbraun) 3000M

Farben deutsch[Bearbeiten]

Karosseriefarben
(Nr)
lackierte Teile Grundierung
Name (Nr)
- Alabasterweiß Nr. 31 - Lenkrohr in Fahrzeugfarbe
- Felgen in Fahrzeugfarbe
- Abdeckung Reserverad: dunkelgrau
- Bremstrommeln: dunkelgrau
- Lüfterradabdeckung: Alluminio (Aluminium) 1.268.0983
Nocciola (Nussbraun) 3000M

Fahrzeugdaten[Bearbeiten]

Technische Daten[Bearbeiten]

Leistung
Leistung: 8,9 PS bei 6.500 U/min (laut Omologazione)
8,5 PS bei 6.500 U/min für die deutsche GS/4 laut Artikel in Vespa-Tip Nr. 44 und Mot
Höchstgeschwindigkeit: ~ 100 km/h (optimistische Werksangabe, realistisch 90 km/h), zu zweit 85 km/h
max. Drehzahl: 7.500 U/min
max. Steigfähigkeit: 32% [2]
Abmessungen
Radstand: 1.220 mm
Gesamtlänge: 1.795 mm
max. Breite: 710 mm
max. Höhe: 1045 mm
min. Bodenfreiheit
am Trittbrett:
220 mm
Wendekreis: 2.800 mm
Gewicht
Leergewicht:   110 kg (aufgetankt)
zul. Gesamtgewicht: 265 kg
Verbrauch
Tankinhalt: 9 Liter (davon 1,9 L Reserve)
Verbrauch: 2,8 Liter (CUNA)
Reichweite: ~ 320 km


Motor[Bearbeiten]

Die Motoren der GS 160 bzw. GS/4 (VSB1M) sind fast baugleich mit dem VSC1M der Vespa 180 SS.
Die beiden einzigen Fahrzeuge mit dem überdimensionierten Gehäuse und Getriebe, sowie dem Dell'Orto SI 27/23 Vergaser.

Motornummer: VSB1M
Motortyp: 2-Takt Direktansauger
Position Motornummer: rechte Seite Schwingenarm
Anzahl Zylinder: 1
Hubraum: 158,53 cm³
Bohrung: 58 mm
Kolbenhub: 60 mm
Kurbelwelle: Vollwangenwelle
Überströmer: 2
Verdichtungsverhältnis: 7,3:1
Getriebe
Primärübersetzung: 22:67 Z (3,045)
Anzahl Kupplungsscheiben: 3
Übersetzungsverhältnis 4-Gang:
1. Gang: 12/58 Z - 1:14,72
2. Gang: 16/54 Z - 1:10,28
3. Gang: 20/50 Z - 1:7,61
4. Gang: 24/46 Z - 1:5,84
Motorlager:
Kurbelwelle kuluseitig: 25x62x12mm (SKF 613912)
Kurbelwelle limaseitig: 25x52x15mm (FAG NU 205 E)
Kupplung Nadellager: 40 Nadeln 2,0x15,8mm
Nebenwelle Kugellager: 12x37x17mm (SKF 62301)
Nebenwelle Nadellager: 22x26x10mm (BGM7912 21,8x34,1x12,4mm)
Hauptwelle schaltrastenseitig: 28x45x10mm (BGM7911 28,2x44,6x10mm)
Hauptwelle radseitig: 20x52x15mm (SKF/FAG 6304)
Wellendichtringe:
Kurbelwelle kuluseitig: Lager_Vespa_Largeframe
Kurbelwelle limaseitig: außen: 25x45x6,5
innen: 52x32x5
das LiMa-Lager wird zu ca. 50%
mit Heißlagerfett gefüllt!
Hauptwelle radseitig: Lager_Vespa_Largeframe
Vergaser: Dell'orto SI 27/23
Hauptdüse: 108
Mischrohr: BE2 (E1)
Hauptluftkorrekturdüse: 185
Leerlaufdüse: 50
Chokedüse: 60
Zündung:
Art: - 6 Volt Batteriezündung: GS/4 (alle Serien), GS 160 (Modelle mit Batterie)
- 6 Volt Unterbrecher- Zündung: (nur bei ital. GS 160 ohne Batterie)
Vorzündung: 26° +/- 1° vor OT
Kontaktabstand: 0,3 - 0,5 mm
Zündkerze: NGK B8ES / Bosch W4CC / Champion NA8 (Langgewinde)

siehe auch Lager Largeframe >>

Fahrwerk[Bearbeiten]

Räder
Felgen: 2.45 x 10 Zoll (offene Felgen)
Reifengröße: 3,5x10 Zoll
Reifendruck vorne (solo & zu zweit): 1,2 bar / 1,2 bar
Reifendruck hinten (solo/zu zweit): 1,75 bar / 2,5 bar bar
Lager Fahrwerk
Schwingenlager: Lager_Vespa_Largeframe
Radlager bremstrommelseitig: 17x40x12 (SKF 6203)
Radlager schwingenseitig: 12×32×10 mm (SKF/FAG 6201)
Lenkrohrlager oben:
Lenkrohrlager unten:
Bremsen
vorne: Trommelbremse Ø 150 mm (innen)
25 mm Belagbreite Bremsbacken
hinten: Trommelbremse Ø 150 mm (innen)
25 mm Belagbreite Bremsbacken
Aufhängung & Federung
Aufhängung vorne: einarmig gezogene Kurzschwinge
Aufhängung hinten: Triebsatzschwinge
Federung vorne: Federbein mit 145mm Feder (vernickelt)
Federung hinten: Federbein mit 390mm Länge

Elektrik[Bearbeiten]

Schaltplan: Vespa GS - VSB1
Zündschloss: Schalterstellungen

Schaltplan_Vespa_GS_VSB1

Bauteil Werte Sockel/Beschreibung
Lichtmaschine: 6 Volt - 37 Watt Wechselstrom Lichtmaschine mit
- 2x Lichtspulen (ungeregelt) und
- 1x Ladespule Batterie (über Selen - Brückengleichrichter)
Scheinwerfer: 6 Volt - 25/25 Watt Sockel: BA20d (Bilux)
Reflektor: Ø 115 mm
Standlicht: 6 Volt - 3 Watt Sockel: Ba9s
Tachobeleuchtung: 6 Volt - 0,6 Watt Sockel: Ba7s
Rücklicht: 6 Volt - 5 Watt Soffitte: S8,5 - 15 x 41 mm
Bremslicht: 6 Volt - 15 Watt Soffitte: S8,5 - 15 x 41 mm
Blinker:
(nur GS/4)
6 Volt - 18 Watt (nur GS/4) Soffitte: S8,5 - 15 x 43 mm (nur GS/4)
Blinkerschalter Kontrollbirne:
(nur GS/4)
6 Volt - 1,5 Watt Soffitte: 6 x 21 mm
Hupe: Hella M5 - 6 Volt  
Batterie: 6 Volt - 12Ah 165 x 83 x 93mm
Gleichrichter mit Sicherung:
(nur Batterie Modelle)
8 Ampere Torpedo Sicherung

Schmierstoffe[Bearbeiten]

Dämpfer vorne: Esso UNIVIS J 43 >>
Dämpfer hinten: Esso UNIVIS J 43 >>
Getriebeöl: SAE 30
Kraftstoffschmierung, ital. 160 GS: 2-Takt Öl - 1:20 - 50 ml auf 1 Liter Benzin (5%) [3]
Kraftstoffschmierung, deutsche GS/4: 2-Takt Öl - 1:25 - 40 ml auf 1 Liter Benzin (4%) [4]

Karosserie[Bearbeiten]

Position Rahmennummer: italienische Rahmennummer am rechten Rahmenende neben Einsteckloch Motorbacke eingeschlagen
Schriftzüge und Embleme: Italien: "Vespa GS" (genietet)
Deutschland: "Vespa GS" (hohlgeprägt und geklebt)
Schlitzrohr Beinschild: G.S.62. (DE) & Ulma 041(IT) & Ulma 207(IT)
Sitzbank: Italien: Aquila
Deutschland: Denfeld
Trittleisten: je Seite 3 Trittleisten (xx mm), Tunnel mit Gummimatte abgedeckt
Backen und Kotflügel mit Alu-Zierleiste (Konturen für Leisten im Blech eingeprägt)
Gepäckhaken unter Sitzbanknase am Rahmen

Unterschiede 1. und 2. Serie:[Bearbeiten]

  1. Serie - MK I 2. Serie - MK II
Bauhjahr 1962 ab 1963
Rahmennummern (DE / IT) keine bestätigten Informationen keine bestätigten Informationen
Handschuhfach mit kleinem abschließbarem Werkzeugfach im Heck zwischen Sitzbankende und Rücklicht abschließbarem Gepäckfach innen am Beinschild
Heckpartie komplett rundes Heck
(hatten aber auch die ersten 2. Serien)
Heck im Bereich des Nummernschildhalters nun gerade (wie wie Rally/Sprint)
Luftfilter Rund/Rohrförmig Ofenrohr mit schwarzem Schrumpflack Luftfilter rechteckige Brotdose mit Deckel wie später 180 SS (Aluminium blank;)
Ansaugbalg mit 9 Rippen ↓ mit 8 Rippen ↓
Sitzbank helle Sitzbank (oben Silbergrau/Seite Antharazit) dunkle Sitzbank
Zündschloss 8 polig erst 8 polig,
späte Modelle 10 polig

Anmerkungen:

  • Auf Grund der winzigen Größe des Werkzeugfaches der 1° Serie haben viele Besitzer mit erscheinen der 2° Serie auch das vordere Gepäckfach nachgerüstet und somit zwei Staufächer.
  • bei vielen Fahrzeugen der 1° Serie wurde das 'Ofenrohr'-Luftfiltergehäuse durch die Brotdose der 2° Serie ersetzt.

Sonstiges / Besonderheiten[Bearbeiten]

  • Tacho Veglia Borletti muschelförmig mit Tachoblatt bis 120 km/h
  • die 160 GS zusammen mit dem Nachfolgemodell Vespa 180 SS (VSC1T) sind die einzigen Vespas mit serienmäßigem Hub von 60 mm
  • Zylinder-Einlass kolbengesteuert (kein Drehschieber!)
  • das Motorgehäuse der GS 160 und 180 SS ist wesentlich dickwandiger als bei anderen Modellen,
  • Die Hauptwelle ist kürzer und die Getriebezahnräder sind breiter als bei anderen Vespa Motoren
  • Auf der Lichtmaschinenseite sind zwei Wellendichtringe verbaut (innen und außen)!
    • Das Lager wird nicht vom 2-Takt-Öl geschmiert, wie bei anderen Vespa Motoren, sondern wird ca. bis zur Hälfte mit Heißlagerfett gefüllt!
  • Der Wellendichtring auf der Kupplungseite wird unter dem Festlager verbaut (nicht wie sonst üblich von der Kurbelgehäuse-Seite)!
    • von der Kupplunsseite: erst den WeDi, dann das Lager und final den Sicherungsring verbauen.
  • die Ölablassschraube kann mit der Abmessung M22x1,5 kaum überdreht werden
  • Der Vergaser Dell‘orto SI 27/23 wurde nur auf der GS 160 und 180 SS verbaut
  • Felgenbreite von 2,45 Zoll bei Grand Sport 160 und SS 180 (alle 10 Zoll-Felgen mit Ausnahme der GS 160, 180 SS und Cosa haben nur eine Breite von 2,10 Zoll)
  • Reserverad unter der linken Backe
  • die GS 160 & GS/4 Modelle mit Batterie haben eine Batteriezündung
    • ein netter Versuch von Piaggio eine im KFZ übliche Batteriezündung auch im Roller zu verwenden. Die Zündung war allerdings nicht besonders zuverlässig. Ohne oder mit entladener Batterie springt der Motor gar nicht erst an! Bei den Folgemodellen der GS wurde wieder die bewährte AC Schwunglicht Magnetzündung verwendet.

Unterschiede zu Nachbarmodellen[Bearbeiten]

Besonderheiten der deutschen GS/4[Bearbeiten]

Vespa GS/4 - Motorseite
Vespa GS/4 - Front
Vespa GS/4 - Heck

Nach dem Auslaufen des Lizenzvertrags mit der Vespa-Messerschmitt G.m.b.H in Augsburg zum Jahresende 1957 lief die Produktion dort ab 1958 nahtlos unter der Vespa G.m.b.H - Augsburg weiter.

Die GmbH war eine Tochterfirma von Piaggio [5] in Italien, es wurden jedoch weiterhin keine kompletten Roller aus Italien importiert, sondern unlackierte Karosserien, Motoren und Fahrwerke. Die elektrische Anlage und weitere Anbauteile wie Stoßdämpfer, Sitze, Schlösser, Griffe und Tachos wurden von deutschen Lieferanten zugekauft.

Damit konnte man vor EU-Zeiten die damals fälligen Einfuhrzölle für Komplettfahrzeuge reduzieren und auf Abweichungen der lokalen Zulassungsordnung besser reagieren. So wurde z.B. die elektrische Anlage wegen der ab 1962 in Deutschland laut StVZO[6] vorgeschriebenen Blinkanlage (für Zweiräder über 125ccm) um Hella Backenblinker, Blinkrelais und Schalter erweitert. Diese Blinkanlage wurde in Italien nie verbaut, da dort die Fahrtrichungsanzeiger für Zweiräder erst weit später verpflichtend wurden.

Die Roller wurden in Augsburg lackiert, endmontiert und erhielten, abweichend von der italienischen Rahmennummer zusätzlich eine eigene Fahrgestellnummer, die auf einem Schild, vernietet auf dem Trittbrett eingeprägt war. Die GS/4 aus Augsburger Produktion hatte eine Beleuchtungsanlage und Hupe von HELLA, Schlösser von Huf, einen Tacho von VDO sowie eine Denfeld Sitzbank und Griffe mit einem runden "Vespa" Logo.

Zu Beginn der 1960er Jahre war die Produktion in Augsburg stark rückläufig. Nach fast 18.000 Rollern 1960 sank die Gesamtstückzahl im Folgejahr auf unter 10.000, verteilt auf die Modelle GS/3, T4 und Vespa 125. Den größten Anteil hatte mit gut 70% das Wideframe Modell GS/3, dennoch wurde im September 62 auf der „Internationalen Fahrrad- und Motorradaustellung (IFMA)" deren Nachfolgemodell die GS 160 vorgestellt. Das in Deutschland unter dem Namen GS/4 vermarktete Spitzenmodell hatte nicht mehr die barocke 50er Jahre Wideframe Karosserie der GS3, sondern, wie die T4, eine moderne, schlankere Largeframe Form und den neuen Motor u.a. mit geänderten Kurbelwellenlagern. Im Vergleich zum GS/3 Motor hatte der Motor der GS/4 mehr Hubraum, eine höhere Verdichtung und etwas mehr Leistung und Drehmoment. Es kam jedoch kein Drehschiebermotor mit Kontaktzündung zum Einsatz sondern ein Direktsauger mit Batteriezündung.

Die mot sagt im Heft Nr. 10 im Oktober 1962: "Die Test GS war die am besten anspringende Vespa, die wir je hatten. Kalt wie warm sprang der Motor fast stets auf den ersten Tritt an."

Heute weiß man: Eine Batteriezündung hat auch ihre Schattenseiten, besonders wenn die Leistung der Lichtmaschine nicht in jeder Situation ausreicht, um die Batterie während der Fahrt zu laden! Wurde vergessen das Licht auszumachen oder man fährt länger in der Zündschloss-Stellung Nr. 2 (Licht über Batterie!) und die Batterie hat in der Folge weniger als 5,5 Volt Spannung, dann ist Feierabend. Auch bei einem Kurzschluss in der Lichtanlage, z.B. am Lichtschalter brennt die 8A Sicherung durch und der Motor stirbt sofort ab. Zumindest diesem Problem mit der Sicherung wurde im Laufe der Produktion mit einem 10 poligen Zündschloss begegnet, dass nun mit einem separaten ungesicherten Kontakt die Zündspule versorgte und das Weiterfahren sicherte.

Bei unveränderter Gesamtuntersetzung aber um 1.000 U/Min niedrigerer Nenndrehzahl lag die Höchgeschwindigkeit der GS/4 etwas niedriger als beim Vorgängermodell, trotzdem war der Redakteur der mot 1962 sehr angetan. "Gutmütig, leise, geschmeidig und schüttelfrei" waren Attribute, die er dem Motor bescheinigt. "Die neue GS kommt in 4,5 Sekunden auf 40 und in 9,5 Sekunden auf 60 Km/h - das ist schneller als ein auf Krawall gefahrener 34 PS VW!"

Auch heute weiß die drehmomentstarke Leistungsentfaltung des langhubigen Direktansaugers zu begeistern, besonders im Vergleich zu anderen Rollermotoren aus den frühen 60ern.

Nichtsdestotrotz gingen 1962 Gesamtproduktion und Absatz bei Vespa in Augsburg weiterhin stark zurück. Es gab Lagerbestände der GS/3, die preisreduziert (um 160,- DM auf 1.590,- DM) angeboten wurden aber auch die Stückzahlen von T4 und Vespa 125 sanken auf historische Tiefstände. Für viele Leute war mit steigendem Wohlstand ein Auto erschwinglich, die Zweiradhersteller mussten neue Kundengruppen erschließen. In Augsburg sank die Produktion 1962 unter 5.000 Stück. Die GS/4 schaffte bis Ende 63 mit beiden Serien zusammen gerade mal auf ca. 2.500 Stück. Heute gilt das Modell für viele als eine der schönsten Vespas, die je gebaut wurden und gerade die Anbauteile der deutschen Version sind, auch durch die geringen Stückzahlen sehr gesucht und erzielen auf dem Gebrauchtmarkt gesalzene Preise. 1962 stand eine GS/4 für 1.750,- DM beim Händler. Umgerechnet in € und verglichen mit dem, was eine Augsburger GS/4 im kompletten Originalzustand heute kostet, eine beachtliche Wertentwicklung.

Schaut man heute auf die Daten der Erstzulassung fällt auf, dass viele erst Mitte oder Ende der 60er auf die Straße kamen obwohl die Produktion schon im Oktober 1963 eingestellt wurde. Die Händler hatten Mühe die GS/4 an den Mann zu bringen, was wahrscheinlich auch der Grund dafür war, dass das nächste Sportmodell die Vespa 180 Super Sport nie auf dem deutschen Markt angeboten wurde. Erst 1968 war mit der Vespa 180 Rally wieder das Spitzenmodell von Vespa offiziell in Deutschland erhältlich. Eine Produktion in Augsburg gab es mittlerweile nicht mehr, dafür hatte man sich ab 1963 mit den Smallframe Modellen mit 50ccm neue Käuferschichten erschlossen.

Spezifische Teile der Vespa G.m.b.H - Augsburg [Bearbeiten]

  • Hella Scheinwerfer (Streuscheibe Nr. 11094)
  • Hella-Rücklicht mit Gehäuse aus (von innen) chrombedampftem Kunststoff; Repros von außen verchromt
  • Hella-Backenblinker mit hohlgeprägter Zierleiste aus Aluminium
    • zweiter separater Kabelbaum für die Blinkanlage (zusätzlich zum Hauptkabelbaum)
  • Hella Hupe M5
  • Hella Lichtschalter
  • VDO Muscheltacho
  • Denfeld Sitzbank
  • Griffe mit rundem Logo "Vespa" anstatt rechteckigem Piaggio Logo
  • Lenker- und Gepäckfachschloss Fabrikat Fa. Huf
  • Rahmenfarbe Alabasterweiß (abweichend vom ital. Weiß)
  • Bremstrommeln anthrazit lackiert (bei ital. GS 160 silber)
  • zusätzlich zur italienischen ist die (abweichende) deutsche Fahrgestellnummer auf Typenschild am Tunnel rechts sowie auf kleiner, schmaler Plakette am rechten Trittbrettende
  • Schritzug am Beinschild: "Vespa GS" hohlgeprägt (nicht genietet wie in Italien, sondern verklebt)


weitere Bilder[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Forentopics:

Quellen[Bearbeiten]

Bedienungsanleitung/Werkstatthandbuch/Ersatzteilkatalog Vespa 160 GS

Vespa Tecnica Band 2, S. 111ff.

Lutz-Ulrich Kubisch: Vespa mi' amore, S. 82, 84, 85

Davide Mazzanti: Vespa - Das offizielle Buch, S. 156ff.


Weblinks[Bearbeiten]

Bedienungsanleitung (englisch/spanisch) auf scooterhelp.com

Ersatzteilkatalog (englisch/spanisch) auf scooterhelp.com

Werkstatthandbuch (englisch) auf scooterhelp.com

Infos zur deutschen GS/4 mit Bericht über die Vorstellung der GS/4 auf der IFMA 1962 aus Vespa Tip Nr. 44 und Verkaufsprospekt als Scans

Webseite zur deutschen GS/4 von Dr. Paulaner

Vortrag zur GS 160 von Horst Binnig/VVCD

Artikel zur Motorrevision einer GS 160 beim VVCD

Artikel zur Elektrik der GS 150 und 160 beim VVCD

GS/4 Bitubo-Dämpfer vorne einbauen